Tiefe Geothermie: Wichtige Schritte auf dem Weg zur Folgenutzung von Erdgas- und Erdölbohrungen

Geothermie gilt als Hoffnungsträger der Energiewende. In diesem innovativen und nachhaltigen Verfahren wird Erdwärme als Heizenergie oder zur Erzeugung von Strom eingesetzt. Geothermie ist von Wettereinflüssen unabhängig, landschaftsschonend und kann das ganze Jahr über annähernd ununterbrochen umweltfreundlichen Strom liefern.

Allerdings sind tiefe Geothermieprojekte mit hohen Investitionen verbunden. Jede Bohrung kostet viel Geld und es besteht das Risiko nicht fündig zu werden. Das führt dazu, dass diese Methode zur Energiegewinnung bislang noch nicht im großen Stil genutzt wird. Eine Alternative zu neuen Tiefenbohrungen bietet aber die Nachnutzung der bestehenden Erdgas- und Erdölförderstellen. Erdgas- und Erdöl-führende Gesteinsschichten liegen etwa 1.000 bis 5.000 Meter unter der Erde. Je tiefer man vordringt, desto wärmer wird es. Es liegt also nahe, bestehende Bohrungen aus der Erdgas- und Erdölförderung nachträglich geothermisch zu nutzen. Vor allem rechtliche Bedenken, sowie zeitliche Einschränkungen hielten jedoch bisher davon ab, in ehemaligen E&P-Bohrungen Geothermie zu erschließen.

Nun hat das Geothermieforum Niedersachsen einen entscheidenden Schritt unternommen, für die Nachnutzung von bestehenden Bohrlöchern klarere Rahmenbedingungen zu schaffen. Mit drei neuen Publikationen, einem Bericht zur geothermischen Nachnutzung von Bohrungen, einer Checkliste für privatrechtliche Verträge zur Übertragung einer Bohrung und einer Liste von Bohrungen, soll es in Zukunft einfacher werden, zur Verfügung stehende Bohrungen für die Geothermie zu nutzen.

Das Geothermieforum Niedersachsen ist eine Kooperation des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und des BVEG in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. Gemeinsam schloss man sich zusammen, um einen besseren Erfahrungstransfer aus der Erdgas-/Erdöl- in die Geothermiebranche zu gewährleisten und daraus resultierende Maßnahmen zu erarbeiten.

„Die Nachnutzung von existierenden Öl- oder Gasbohrungen für Geothermie hat erhebliche Potenziale aufgrund der vorhandenen Infrastruktur und der Erkenntnisse über den Untergrund. Bei der konkreten Umsetzung stehen wir zwar noch am Anfang“, meint Dr. Ludwig Möhring. „Die genannten Vorteile können aber maßgeblich dazu beitragen, ökologisch und ökonomisch sinnvolle Projekte zu entwickeln, die auch die notwendige politische Unterstützung erfahren.“ So freut sich der BVEG auf die weitere Zusammenarbeit im Geothermieforum Niedersachsen und die daraus entstehenden Projekte.

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